Warum Frauen das Single-Dasein heute genießen

Filme und Serien wollen uns ja ständig weismachen, dass alleinstehende Frauen immer ein bisschen traurig und dämlich (Bridget Jones), während Single-Männer kraftstrotzend und herrlich sind (Mr. Darcy)? Die Wahrheit ist eine andere.

Eine neue Studie hat das Drehbuch von der armen, einsamen Jungfer ins Märchenreich verdammt und gezeigt, dass Frauen glücklicher alleine sind als Männer. In der Studie des Marktforschungsunternehmens Mintel gaben 61 Prozent der Single-Frauen an, mit ihrem Beziehungsstatus zufrieden zu sein, verglichen mit 49 Prozent der alleinstehenden Männer. Weitere 75 Prozent der Single-Frauen suchen nicht aktiv nach einem Partner, doch 65 Prozent der alleinstehenden Männer.

 

Hau’ Dein Hochzeitskleid in die Tonne, Miss Havisham. Hör’ auf zu grübeln, Carrie Bradshaw. Bemüh’ Dich nicht um einen Ring am Finger, Bey. Wir sind Singles, und wir lieben es. Das heißt, nicht nur herumzusitzen, Gin-Cocktails trinken und auf den Nächstbesten warten. Sondern aktiv unseren Solo-Status zu genießen, als dauerhaften und erfreulichen Zustand. Preisen wir die Single-Revolution!

Sag nein zu Kompromissen

 

Schon im 16. Jahrhundert sagte Elizabeth I ein großes, lautes Nein zur Ehe. Warum? Selbst angesichts des überwältigenden sozialen Drucks war sie schlau genug zu erkennen, dass die Ehe ihre Souveränität gefährden würde. Sie wusste: Allein war sie viel stärker. Mehrere Hundert Jahre später verlangt natürlich niemand mehr, dass wir gleich unsere Krone abgeben, wenn wir uns mit jemandem amourös verbandeln. Aber wir müssen mit einer Menge Kompromisse rechnen. Das kann natürlich gut sein. Kompromisse gehören zum Leben, können eine Übung sein in Selbstlosigkeit und zu innerem Wachstum führen.

 

Auf der anderen Seite: In einer Zeit, wo Frauen immer noch rund 18,4% weniger verdienen als Männer und es mehr Johns im britischen Aktienindex gibt als alle Frauennamen zusammen, kannst Du Deinen Hintern darauf wetten, dass es (zumindest in heterosexuellen Beziehungen) die Frauen sind, die am Ende die größeren Kompromisse machen. Denk’ nur mal an Deine Gehaltseinbußen, solltest Du im Job die Dreistigkeit besitzen, Mutterschaftsurlaub zu nehmen!

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Nicht ganz so schlimm, aber immer noch ärgerlich: Du wirst der Teil der Beziehung, der die Verantwortung für alle sozialen Angelegenheiten übernimmt, für immer, versteht sich. Oder Du siehst dich gezwungen, die bequemste Seite des Bettes aufzugeben. Wir sind vielleicht den Frauen von Stepford entwachsen, nicht aber unserer Neigung zur Selbstaufopferung .

Sag nein zu emotionalem Ballast

 

Natürlich führen viele Menschen wunderbare und bereichernde Partnerschaften. Wir wollen ja nicht den Teufel an die Wand malen. Aber man kann verstehen, warum – nach einer langen und komplizierten Kulturgeschichte der weiblichen Unterwerfung – eine wachsende Zahl von Frauen sich dazu entscheidet, alleine zu bleiben und die Freiheiten zu nutzen, die dieser Lebensstil mit sich bringt.

Wir begrüßen nicht nur die physische Freiheit des Single-Daseins, sondern auch die Fähigkeit, die emotionale Last einer Beziehung abzuschütteln. Frauen neigen dazu, mehr von sich in romantische Partnerschaften zu investieren (ach, wie gern beschäftigen wir uns mit Beziehungsproblemen und ihren Lösungen). Da kann es eine große Erleichterung sein, einfach einen Schlussstrich zu ziehen. Schauen wir nach Japan, wo das Glück des Single-Daseins unter vielen Frauen zelebriert wird, von denen einst erwartet wurde, sich wie Kletten zu benehmen.

 

Die Japan Times schrieb kürzlich: „Alleinstehende Frauen sind überall.“ Von Hotels und Cafés bis zu Frauen-Wohnhäusern und Frauen-Spas – der Anblick einer ohitorisama (eine Person, die alleine lebt oder Dinge unternimmt) sei nichts Besonderes mehr.

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„Hinter dem Phänomen steht die extrem niedrige Heiratsrate“, heißt es weiter. „Mehr Frauen entscheiden sich gegen die langfristigen Verpflichtungen einer Ehe, die ihren Lebensstil mit Sicherheit einschränken würden.“

Sag ja zu Beziehungen

Ironischerweise haben Single-Frauen mehr und breiter gefächerte, soziale Beziehungen als verheiratete Frauen oder Männer.

„Single-Frauen bleiben häufiger in Kontakt mit Eltern, Geschwistern, Nachbarn und Freunden, sie leisten und erhalten mehr Hilfe als die Verheirateten“, heißt es in einer Studie des Boston College und der University of Massachusetts aus dem Jahr 2016. „Das Single-Dasein erhöht die sozialen Kontakte von Frauen und Männern.“

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Während verheiratete Menschen in ihren Beziehungen eher isoliert sind, leben Singles offener. Sie suchen häufigere und intensivere Kontakte zu ihren Mitmenschen. Die Verbindung zu anderen – sei es in einem lockeren, nachbarschaftlichen Sinn oder in Form von lebenslangen Bindungen – ist eine wichtige Säule des persönlichen Glücks.

 

Das Soziale scheint den Frauen näher zu liegen. „Sie sind geschickter darin, alternative soziale Netzwerke und andere Vertraute zu finden, während Männer dazu neigen, sich ziemlich stark auf ihre Ehefrauen zu verlassen und weniger soziale Bindungen zu pflegen“, sagt Emily Grundy, Professorin für Sozialforschung an der Universität von Essex im Telegraph. „Eine Vielzahl von Studien legt nahe, dass Frauen, die keinen Partner haben, im Vergleich zu Frauen mit Partnern tendenziell mehr soziale Aktivitäten und mehr Freunde haben als Männer. Auch Männer ohne Partnerin neigen dazu, passiver zu sein.“

Beziehungsexpertin Susan Quilliam stimmt im Evening Standard zu. „Frauen haben oft ein gutes, soziales Leben und können sich ihre Bedürfnisse auch außerhalb von Beziehungen erfüllen. Sie schöpfen sich das, was sie brauchen, aus mehreren Quellen, anders als Männer.“

Das Single-Dasein genießen

 

Alleinstehende Frauen sind nicht nur besser in der Lage, mit Menschen in Kontakt zu treten, sondern sie können diesen Zustand auch besser wertschätzen. Sie bauen sich im Alltag komplexe Rituale auf, um sich im Single-Dasein zu aalen.

Wie zum Beispiel Linda Rodin (Bild oben), eine Beauty-Unternehmerin, die ein Single in ihren 60ern ist und glücklich in ihrer Wohnung in Manhattan lebt. „Ich brauche meine Zeit zum Entspannen – keine Zeitschriften, keine Musik, kein Telefon“, erzählt sie in ihrem Blog über ihr Baderitual. „Wenn ich spät nachts in meiner Wanne liege, dann tue ich so, als sei ich am Strand.“ So friedlich der Wanne liegend fühle sie sich wie ein Poet. „So finde ich die interessantesten Inspirationen, die besten Antworten auf E-Mails, die besten Ideen für Dinge, die ich rund um das Haus machen möchte. Und ich vergesse die Zeit, sie geht mit dem Wasser einfach den Bach runter.“

„Ich war schon immer eine ziemlich unabhängige Person“, fügt sie hinzu. „Ich liebte es, mit wundervollen und wirklich interessanten Männern zusammen zu sein. Und doch habe ich einfach nie das Bedürfnis verspürt, sie zu heiraten. Die Überzeugung fehlte einfach.“

Vor allem Frauen scheinen in der Lage zu sein, eine Art von Spiritualität im Single-Dasein zu finden. Sie schöpfen daraus Kraft und bauen sich Freiräume in ihr Leben: Freiräume, in denen das bewusste Alleinsein ein erstrebenswerter Zustand ist.

 

Dies gilt auch für Reisen. Single-Frauen sind viel motivierter aufzubrechen. Sie machen das Beste aus ihrem Solo-Status und haben keinen Ballast zu Hause, der sie davon abhält, ihren Träumen zu folgen und die Welt zu erkunden. Kristin Addis, die in Be My Travel Muse über die Freuden einer Single-Reisenden schreibt, fasst diese aufgeschlossene Herangehensweise treffend zusammen: „Die schönsten Erlebnisse warten am Meeresboden oder an einem Sandstrand oder mitten im Wald“, sagt sie. „Vielleicht findet man sie am Straßenrand oder auf einem Berg. Es könnte direkt hinter der nächsten Gasse sein, hinter einer Rikscha oder gleich um die Flussbiegung. Du weißt es nie, bevor du losgehst.“

Männer hängen hinterher

 

Höchstwahrscheinlich waren Single-Frauen nie die verlorenen Wesen, für die man sie hielt: Die, die allein über ihren Cornflakes schluchzend den fehlenden Mann beklagen. Und wahrscheinlich waren nicht alle alleinstehenden Männer selbstgefällige Alleskönner. Doch wir können feststellen, dass es einen kulturellen Wandel gegeben hat, wie wir Single-Frauen heute sehen. Und während immer mehr Menschen überall auf der Welt sich dafür entscheiden, Single zu bleiben, scheinen Frauen dabei glücklicher zu sein. In der Mad Men-Epoche mag der Single-Mann einen Scotch ins Glas gegossen und sich dazu gratuliert haben, ein einsamer Wolf zu sein – jetzt wollen sie uns Frauen nacheifern.

 

Natürlich sind nicht alle Männer so. Manche sind vollkommen glückliche Singles: Sie sind kontaktfreudig, gut vernetzt und lieben es, die Welt zu bereisen. Aber wenn wir uns erlauben, einen neuen Trend zu formulieren, dann den: Männer scheinen angespornt zu sein, den Anschluss nicht zu verlieren. Im Jahr 2017 befinden wir uns in der einzigartigen Situation, dass alleinstehende Männer den fröhlichen Lebensstil und die positive Einstellung von Single-Frauen ziemlich begehrenswert finden.

Wie kann man das Gleichgewicht wieder herstellen? Vielleicht müssen Single-Männer ein wenig mehr nach außen schauen. Vielleicht müssen sie mehr Risiken eingehen und ihr Solo-Leben bewusster gestalten. Dies könnte bedeuten, mehr Beziehungen zu pflegen. Oder sich allein den Herausforderungen einer Weltreise zu stellen. Indem sie dem Pfad der Frauen folgen, können auch sie aktiv ihrem Single-Dasein ein gutes Leben abgewinnen.

Photos: Shutterstock

 

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