Warum Alleinsein uns glücklich macht

Niemand ist eine Insel, und wir brauchen menschlichen Kontakt und Beziehungen, um uns wohl zu fühlen. Aber ebenso blühen wir auf, wenn wir auch mal Zeit allein verbringen.

Wer gerne alleine ist, wird oft schief angesehen, doch man sollte Alleinsein nicht mit Einsamkeit verwechseln. Einsamkeit macht traurig, Zeit bewusst alleine zu verbringen dagegen ist bereichernd – es ist eine Entscheidung, sich selbst zu erkunden und seine Gedanken in Schwung zu bringen. Daran wächst man innerlich.

Und es gibt definitiv keinen besseren Ort zur Selbstreflexion als auf Reisen. Die kürzlich verstorbene, großartige französische Schauspielerin Jeanne Moreau beschrieb es so: „Man kann nirgends besser alleine sein als bei Sonnenuntergang an einem leeren Strand.“

Drei Gründe, warum Alleinsein uns glücklicher und erfüllter macht:

Die Savannah-Theorie

 

Unsere Befähigung zum Alleinsein könnte evolutionär bedingt sein, wie eine Studie nahelegt, die vergangenes Jahr im British Journal of Psychology veröffentlicht wurde.

Die Evolutionspsychologen Satoshi Kanazawa von der London School of Economics und Norman Li von der Singapore Management University stellten die „Savannah-Theorie“ auf. Diese besagt, dass der Lebensstil unserer Vorfahren als einsame Jäger und Sammler Voraussetzung dafür ist, was uns in heutigen Zeiten glücklich macht.

Das Team analysierte 15.000 Fragebögen von US-Bürgern im Alter zwischen 18 und 28 Jahren. Das Ergebnis: Menschen in dicht besiedelten Gegenden waren deutlich weniger glücklich als solche, die in kleineren Städten oder Dörfern lebten.

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„Je dichter die Besiedlung, desto weniger glücklich waren die Befragten“.

Die Forscher glauben, dass dies daran liegt, dass unsere psychologische Entwicklung in einer Zeit begann, als der Mensch vor allem in abgeschiedenen, offenen Savannen lebte. Wir haben eine tief verwurzelte Tendenz dazu, alleine glücklich zu sein – auch wenn das moderne Leben mit seinen sozialen Netzwerken und Großraumbüros die meiste Zeit dagegen arbeitet.

Das Sahnehäubchen auf den Studienergebnissen: Die Forscher fanden heraus, dass eine Person umso intelligenter war, je mehr Zeit sie alleine genoss.

Alleinsein macht also glücklich UND schlau. Da sind wir dabei.

Gut fürs Einfühlungsvermögen

 

Eine gewisse Zeit alleine zu verbringen hilft laut einer Harvard-Studie, mehr Einfühlungsvermögen zu entwickeln.

Die Forscher fanden heraus, dass es für uns in großen Gruppen schwieriger ist, uns wirklich in andere hineinzufühlen.

Sobald wir die Gruppe aber einmal verlassen, hilft uns der freigewordene Platz im Kopf dabei, die Bedürfnisse der Menschen um uns herum tiefer und ernsthafter zu durchdringen.

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Das ist klasse, nicht nur für die anderen, sondern auch für uns selbst, denn diverse Studien zeigen, dass Empathie und Hilfsbereitschaft wichtige Schritte auf dem Weg zum persönlichen Wohlbefinden sind.

„Wenn man Zeit mit einer bestimmten Gruppe von Freunden oder Kollegen verbringt, entwickelt man eine ‚Wir-gegen-die-anderen-Mentalität’“, erklärt die Psychotherapeutin und Autorin Amy Morin. „Zeit alleine zu verbringen hilft uns, mehr Mitgefühl für Menschen zu entwickeln, die nicht unbedingt zu unserem engen Kreis gehören.“

Sie fügt hinzu: „Wenn man es nicht gewöhnt ist, allein zu sein, kann es sich zu Anfang etwas unbehaglich anfühlen. Aber sich Zeit mit sich selbst zu gönnen, könnte die beste Version unseres Selbst zu Tage fördern.“

Durchhaltevermögen entwickeln

 

Wenn es eine Stärke gibt, die einem im Leben wirklich weiterhilft, dann ist es Beharrlichkeit und die Kraft, nach Rückschlägen schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Es wird nicht immer jemand da sein, um zu helfen, und durch allein verbrachte Zeit lernt man, sich auf sich selbst und seine inneren Stärken zu verlassen, die einen durch die verschiedensten Situationen bringen werden.

„Wir fühlen uns zu Vorbildern und Gruppen hingezogen, die uns helfen, uns [selbst] zu definieren“, erklärt Psychoanalytiker und Einsamkeitsforscher Matthew Bowker. „Kurz gesagt: Wir benutzen andere, um uns eine Identität zu schaffen, statt auf unser Inneres zu hören und zu vertrauen.“

Eine Eigenschaft ist laut Bowker sehr wichtig: „Man muss darauf vertrauen, dass man überleben wird, dass man okay sein wird, auch wenn man nicht von dieser Gruppe unterstützt wird.““

Mit anderen Worten: Alleinesein hilft uns, uns abzuhärten und selbstständiger zu werden. Aber man muss diesen inneren Muskel auch trainieren, damit er funktioniert.

„Alleinsein hilft uns, uns in unserer Haut wohler zu fühlen“, sagte Morins Forbes. „Wenn man alleine ist, kann man Entscheidungen treffen, ohne sich von außen beeinflussen zu lassen. Und das hilft dabei, herauszufinden wer man eigentlich ist.“

 

Ein gewisser Grad an Ich-Bewusstsein und Durchhaltevermögen ist der Schlüssel zu einem glücklicheren Leben.
Also: Wenn Du das nächste Mal darüber nachgrübelst, alleine auf Reisen zu gehen – tu’s einfach.

Eric Klinenberg, Soziologe und Autor des Buchs „Allein in Amerika“, sieht es so:

„Es ist ungemein befreiend für Leute, auch mal alleine zu sein. Sie bekommen mehr Kontrolle darüber, wie sie eigentlich ihre Zeit verbringen wollen. Sie können am Ende eines stressigen Tages in der Stadt Dampf ablassen … und erleben ein Gefühl echter Freiheit.“

Images: Flash Pack, Shutterstock

 

 

 

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