Über den Wolken: 5 Tipps um Langstreckenflüge angenehm verstreichen zu lassen

Langstreckenflüge müssen keine Folter sein. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um geschenkte Zeit. 5 Tipps, wie man sie angenehm verstreichen lässt

 

Es war wieder einer dieser zähen Etappen. Melbourne-Abu Dhabi, Flugzeit vierzehn Stunden, die Maschine voll bis auf den letzten Platz. Eltern bändigten kleine Kinder, große Menschen versuchten sich in ihre Sitze zu falten, hinter mir waren immer wieder Salven lautstarken, von keinerlei Gespräch begleiteten Gelächters zu hören. Später vermischten sich ohrenbetäubendes Schnarchen und die in durchdringendem Ton vorgetragenen Betrachtungen, mit denen eine Passagierin rechts vor mir ihren Sitznachbarn (und die ganze Umgebung) überzog. Irgendwann wurde nach einem Arzt gerufen, und kurz fürchtete ich, einige Reihen hinter mir würde jemand niederkommen. Doch es war nur ein Teenager, dem schrecklich übel war und der sich unter lautem Stöhnen erbrach. Mitten in diesem Inferno verbrachte ich eine gute Zeit. Das war kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Forschungstätigkeit auf Reiseflughöhe.

 

  1. Der Weg ist das Ziel: Die Einstellung justieren

Zugegeben: Natürlich ist das Fliegen noch schöner, wenn das Flugzeug nicht vollständig besetzt, die Passagiere von weniger Gebrechen geplagt werden und weniger lautem Mitteilungsdrang beseelt sind als das bei dem beschriebenen Transkontinental-Erlebnis der Fall war. Aber es geht auch so – schließlich sollte man das eigene Glück nie nur von äußeren Faktoren abhängig machen.

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Das Wichtigste ist das Justieren der eigenen Einstellung zur Erfahrung, die vor einem liegt. Ein Flug von zehn Stunden Dauer oder mehr bedeutet keine Folter, sondern birgt eine Chance. Wann sonst bietet sich so viel Zeit, nichts zu tun, guten Gewissens zu dösen, zu lesen oder vor sich hin zu träumen? Eigentlich nie. Zu Hause gibt es immerzu Dinge, die dringend oder lange schon erledigt werden müssten. Wer hätte da schon die Nerven, sich am hellen Tag zehn bis zwölf Stunden mit Nichtstun zu beschäftigen? Kaum jemand. Und noch schwieriger wäre es vermutlich, jemanden zu finden, der einem dabei regelmäßig Getränke, Snacks und warme Mahlzeiten bringt. Im Flugzeug aber ist das alles möglich, sogar selbstverständlich. Andere Tätigkeiten – dem angestaubten Stoß Bügelwäsche zu Leibe rücken, aufräumen, Gläser spülen, überfällige Rückrufe erledigen – sind hier hingegen definitiv nicht möglich. Also: Nicht zaghaft und mit innerem Widerstand, sondern mit bewusster Vorfreude an Bord gehen. Unterhaltungsmaterialien zurechtlegen, das Handgepäck verstauen und fest in die Decke einwickeln: Zehn, zwölf, vierzehn Stunden ganz für mich!

 

  1. Alleinhoheit über die Fernbedienung: Das Entertainment

Wenn man von den zurückliegenden Arbeitswochen nicht so erledigt ist, dass man schon vor dem Start in tiefen Schlaf fällt, sollte der Flug nicht ohne Entertainment verstreichen. Die Zeit dafür zu haben, ist schließlich das große Plus des Langstreckenflugs. Ich suche mir vor dem Reisetag diverse Bücher aus, die ich seit längerem lesen möchte, gerate dann am Flughafen in Panik, nicht genügend Lektüre zu haben, und erwerbe zusätzlich zwei bis drei Magazine, die ich mir nur im Luftraum genehmige. Andere wiederum verbringen Stunden mit der Zusammenstellung der richtigen Musik.

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Sobald ich im Flugzeug Menschen mit Kopfhörern hantieren sehe, fällt mir ein, dass sich hier ja auch die Gelegenheit bietet, einige der in den letzten Monaten verpassten Kinofilme aufzuarbeiten. Schon überlege ich: Ist das alles überhaupt zu schaffen in den jämmerlichen vierzehn Stunden? Hoffentlich stören die Flugbegleiter nicht zu oft mit Essen und Getränken. Und hoffentlich sitzt neben mir keine zwanghafte Plaudertasche. Früh im Jahrtausend saß ich auf einem Flug von Frankfurt nach Washington Dulles neben einem Herrn, der diese Strecke, bereits aus Asien kommend, jede Woche flog. Er kannte alle Crew-Mitglieder beim Namen und freute sich sehr, neben sich ein neues Gesicht zu entdecken – mich. Von der ersten bis zur letzten Minute des Flugs redete er auf mich ein, als hätte er Jahre auf einer einsamen Insel verbracht. Ich war jung und höflich und ertrug es. Nach dem Landeanflug wanderte Anna Karenina in meine Tasche zurück, ohne dass ich ihrem Freitod auch nur eine Seite nähergekommen war.

 

  1. Entspannung und Zen

Wer nicht gerade unter Flugangst leidet und daher zwangsläufig unter Stress steht, kann im Flugzeug hervorragend entspannen oder sogar fest schlafen. Manche Reisende verlassen sich dabei auf Erzeugnisse der Pharmaindustrie. Für mich sind Schlaftabletten indes keine Option. Zu groß ist meine Sorge, nach der Landung als letzter Passagier an Bord zurückzubleiben, umgeben von einer Schar erschöpfter und ratloser Flugbegleiter, die nicht wissen, wie sie die komatöse Reisende in Sitz 46 H, die ihre Gastfreundschaft nun lange genug in Anspruch genommen hat,  zum Leben erwecken und aus dem Fluggerät befördern sollen.

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Lieber verlasse ich mich auf Ohrenstöpsel – ein Accessoire, dessen Bedeutung nicht hoch genug geschätzt werden kann – und Pranayama, fernöstliche Atemübungen, die Wohlbefinden, Lebenskraft und innere Ruhe schenken. Über die ersten Schritte komme ich dabei allerdings nur selten hinaus. Einatmen, Atem halten, ausatmen – jede dieser drei Phasen muss gleich lang dauern. Nach wenigen Minuten schlafe ich wie ein Säugling, auch in beengten Verhältnissen.

 

  1. Nicht nur im Wein liegt die Wahrheit: den Flüssigkeitshaushalt regulieren

Dehydrierung kann das Flugerlebnis beeinträchtigen, auch wenn alle anderen Bedingungen optimal sind. Nur wenig ist unangenehmer, als aus tiefem Schlaf aufzutauchen mit dem Gefühl, sich in einer Wüste verlaufen zu haben und kurz vor dem Tod durch Verdursten zu stehen. Daher lohnt es sich, beizeiten mit einer leeren Flasche unterm Arm einen kleinen Ausflug in die Küche zu unternehmen. Dort wird ein freundliches Crew-Mitglied die Flasche mit Wasser füllen und somit sicherstellen, dass man bei der Lektüre oder während des Films den körpereigenen Flüssigkeitshaushalt pflegen kann. Besonders sinnvoll ist diese Maßnahme, wenn man zum Abendessen ein bis zwei Gläser Wein zu sich genommen hat.

 

  1. My Seat is my Castle: Vom Umgang mit Armlehnenbesetzern und Plaudertaschen

Gang oder Fenster – die Antwort auf diese Frage lässt sich steuern. Am Gang ist es unruhig, aber man ist autark und kann jederzeit aufstehen. Der Fensterplatz bietet Aussicht und Abgeschiedenheit, doch wenn die Nachbarn tief und fest schlafen, kann man seinen Sitz nur mittels artistischer Manöver verlassen.

Was sich nicht steuern lässt – zumindest nicht, wenn man alleine fliegt – , ist  das Umfeld. Mancher Passagier soll auf dem Sitz neben sich die Liebe seines Lebens gefunden haben. Die Mehrzahl der Reisenden sitzen jedoch neben Menschen, mit denen sie nicht unbedingt für immer zusammenbleiben wollen. Für eine friedliche Koexistenz ist derartig große Sympathie auch gar nicht erforderlich. Zurückhaltung und Diskretion sind hier vielmehr von ähnlicher Bedeutung wie in der Notfall-Ambulanz im Krankenhaus.

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Besteht der Sitznachbar dennoch darauf, die Armlehne für sich alleine zu nutzen, ist es ratsam, sich auf keine Ellbogenduelle um jeden Zentimeter einzulassen, sondern ihn mit kluger Gelassenheit gewähren zu lassen. Der (oder die) Arme erlebt nämlich gerade einen Horror-Langstreckenflug. Der Expansionsdrang ist vermutlich eine Übersprunghandlung und latenter Platzangst geschuldet, Wut auf eine Situation, die nicht zu ändern ist, oder womöglich verdrängter Flugangst. Alles nicht schön. Uns hingegen mangelt es an nichts: eingewickelt in eine wärmende Decke, mit guter Lektüre und beschallt von Musik haben wir es richtig angenehm. Also lässt man den Nachbarn am besten toben, auch auf der Armlehne, aber alleine.

Und wenn er – oder sie – reden will, um jeden Preis? Plaudertaschen wie den Herrn, der mir einst durch seine Quasselei auf dem Weg nach Washington den ganzen Flug verdarb, lasse ich heute – anders als die harmloseren Armlehnenbesetzer – nicht mehr widerstandslos gewähren. Meist hilft es schon, blicklos zu grunzen, ins Leere zu lächeln und demonstrativ zum Buch zu greifen. Das ist auch nicht unhöflicher, als arglosen Mitreisenden ohne jede Ermutigung ein Gespräch aufzudrängen. Handelt es sich um eine Person von dickfelligerer Wesensart, muss man deutlicher werden: den Kopf jäh nach hinten sinken lassen und Schlaf vortäuschen, am besten mitten im Satz.

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