Wellnessreise in die Vergangenheit: Skurrile Spa-Praktiken

Lisa Drebber

Wellness ist doch etwas Feines: einfach mal abtauchen und den stressigen Alltag für eine kurze Zeit vergessen. Ob mit Massagen, Peelings oder Blumenbädern – bei einem entspannenden Wohlfühlurlaub kann fast jeder auf die Pause-Taste drücken und abschalten. Kein Wunder, dass Trends rund um Wellnessreisen boomen. Dabei ist Relaxen in Saunawelten und Thermen eigentlich keine Neuheit.

Ganz im Gegenteil besteht die beliebte Bade- und Wohlfühlkultur bereits seit vielen Jahrhunderten. Schon Kreuzritter ließen sich ihre Rücken von holden Bademägden schrubben und die ägyptische Herrscherin Kleopatra soll in Eselsmilch gebadet haben, um schön und jung zu bleiben. Ein wahres Bild für die Götter! Wir verraten, welche skurrilen Methoden im Laufe der Zeit praktiziert wurden und warum eine kleine Stadt in Belgien zum Namensgeber von Wellness-Treatments wurde.

 

Feuchtfröhliche Geschichte

Wie in aller Welt kamen eigentlich die ersten Menschen auf die Idee, ihre Körper mit Algen zu peelen und sich in Schlammbädern zu suhlen? Das große Plantschen begann vermutlich schon mit der Geschichte der Menschheit. Bereits in der Steinzeit erkannten unsere Vorfahren die heilende Wirkung von Quellen. Und obwohl der Begriff „Steinzeit“ anderes vermuten lassen könnte, gab es damals natürlich noch keine Hot-Stone-Massagen wie wir sie heute kennen. Schließlich hatte der gemeine Neandertaler ein bisschen mehr zu tun, als sich Gestein auf den Körper zu legen, sphärischen Klängen zu lauschen und sich währenddessen zu fragen, ob die 90 Euro für anderthalb Stunden wirklich clever investiert waren.

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Damals hieß es: jagen und sammeln. Logisch also, dass Steinzeitmenschen keine Zeit für ausgedehnte Beautytermine und Wellnessreisen hatten. Mineral- und Thermalquellen wurden damals trotzdem schon genutzt, allerdings weniger zur Entschleunigung und Entspannung. Damals standen vor allem heilende Zwecke im Vordergrund. Das änderte sich schlagartig in der Antike. Denn einige Jahrhunderte vor Christus begannen die Hochkulturen des Orients, eine feuchtfröhliche Badekultur zu etablieren.

Ritter im Schaumbad

Hochgeborene Ägypter ließen es sich in parfümierten Bädern gut gehen und die arabischen Damen der Harems unterzogen sich traditionellen Rasul-Zeremonien, bevor sie ihre Herrscher besuchen durften. Dabei trugen sie Kreide und Schlamm auf ihre Körper auf und nahmen Dampfbäder, um ordentlich zu entschlacken. Ganz nach dem Motto: Wer schön sein will, muss schwitzen. Daran hat sich bis heute wenig geändert – außer, dass die wenigsten von uns heute im Harem leben.

Nicht zu vergessen sind die Wellness-Praktiken im mittelalterlichen Europa – und dass obwohl man die dunkle Epoche samt ihren Kreuzzügen und der Pest nicht unbedingt als erstes mit Wellness, Sauberkeit und Erholung assoziiert. Doch die Ritter lernten warme Bäder lieben und konnten sich in Badeanstalten von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen. Während Bademägde ihnen mit Aschenlauge die Haare wuschen, rubbelten ihnen Badereiber den Dreck vom Körper. Natürlich konnten sich nur Besserbetuchte solche Luxusbehandlungen leisten.

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Besonders beliebt waren beim Mittelalter-Wellness zudem der sogenannte Aderlass und das Schröpfen. Dabei wurde den Badenden bis zu einem Liter Blut entnommen. Dies sollte der Heilung von Wehwehchen und der Linderung von Beschwerden wie Migräne und Rheuma dienen. Die Ritter verloren also nicht nur auf dem Schlachtfeld Blut, sondern mitunter auch im Schaumbad.

 

Das Heilbad der Kleinstadt Spa

Eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt in unserer Wellnessreise in die Vergangenheit übrigens die kleine Stadt Spa in Belgien. Wer hätte gedacht, dass eine Provinzstadt mit gerade einmal 10.000 Einwohnern heimlicher Star der Wellness-Geschichte ist? Grund dafür sind die zahlreichen Heilquellen der Stadt, die schon im Mittelalter zur Erholung genutzt wurden.

Damals besuchten vor allem Briten die belgischen Mineralquellen. Heute kennt man den Begriff „Spa“ in aller Welt – auch wenn die meisten nicht wissen, dass er seinen Namen einer kleinen Stadt in Europa verdankt. Zudem stößt man bei der Definition von Wellnessreisen auf den lateinischen Begriff „sanus per aquam“, der abgekürzt ebenfalls Spa ergibt. Übersetzt bedeutet er „gesund durch Wasser“.

Skurrile Wellness-Praktiken

Natürlich gab es in der Antike und im Mittelalter ein paar skurrile Wellness-Praktiken, von denen einige bis in die Neuzeit reichen. Beispielsweise sollen japanische Geishas Mitte des 18. Jahrhunderts begonnen haben, ihre beanspruchte Haut zur Regeneration mit Nachtigallkot einzureiben. Kaum zu glauben, dass diese Behandlung nach wie vor beliebt ist – allerdings wird der Vogelkot heute sterilisiert und mit Reiskleie versehen. Man munkelt, dass einige der bekanntesten Hollywood-Stars auf diese Wellness-Methode schwören.

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Die Ägypter buddelten sich angeblich aus gesundheitlichen Gründen im Wüstensand ein. Schon zehn Minuten sollten einen heilenden Effekt haben und Rheuma entgegenwirken. Auch dieses Wellness-Treatment kann man bis heute in ausgewählten Wüstenhotels buchen. Crazy! Bis zum Hals in Schlamm steckt(e) man übrigens auch in der Türkei: Bis heute sind einheimische Schlammliebhaber fest davon überzeugt, dass die aufgeweichte Erde Hautirritationen lindert und Falten vorbeugt. Ob sich Matsch wirklich für Anti-Aging eignet, ist nicht bewiesen. Aber wer von oben bis unten mit Schlamm eingeschmiert ist, muss sich ohnehin keine Sorgen darüber machen, dass Falten zu sehen sein könnten.

Aktuelle Trends bei Wellnessreisen

Ob man heute noch in Eselsmilch baden und sich kreidebeschmiert ins Dampfbad setzen kann? Bestimmt, aber es geht auch anders! Die aktuellen Wellnessreise-Trends 2019 sind zwar weit weniger ausgefallen, dafür aber umso entspannender und ganzheitlicher. Hier kommen die drei heißesten Trends, die garantiert nichts mit Nachtigallkot und Wüstensand zu tun haben.

  1. Abwechslung & Natur pur

Entspannung mit Abstechern in die Natur zu kombinieren, ist aktuell der größte Trend. Dabei klingen Wandern, Radfahren und Walking im ersten Moment gar nicht so wellnessmäßig. Genau darum geht es aber, denn sie bilden einen wunderbaren Kontrast und eine tolle Abwechslung zum klassischen Sauna- und Massageprogramm.

Tagelang im Whirlpool oder Dampfbad zu liegen, kann mitunter nämlich ganz schön langweilig sein. Und spätestens nach der dritten Massage weiß der Masseur nicht mehr, welche Verspannungen er eigentlich rauskneten soll. Das wäre wahrscheinlich sogar Kleopatra zu viel des Guten. Deshalb ist Abwechslung angesagt. Und was würde sich dafür besser eignen als frische Luft und Natur pur?

 

  1. Mental Wellness

Wellness wird jetzt ganzheitlich. Denn warum sollte man nur sein Äußeres pflegen und sich nicht gleichzeitig ums Innere kümmern? Mentales Wohlbefinden ist schließlich ein wichtiger Punkt und wird für Erholungsurlauber aktuell immer interessanter. Bei manchen Wellnessreisen wird daher schon jetzt zunehmend auf Coaches gesetzt, die mithilfe von Meditations- und Yoga-Retreats helfen, mehr Achtsamkeit zu entwickeln. Yoga-Figuren wie die kleine Kobra oder den gestreckten Krieger hätte sicher auch Kleopatra ziemlich gut gefunden.

  1. Allein auf Wellnessreise

Alleine zu reisen, ist die höchste Form der Entspannung. Man muss sich nicht absprechen, keine Termine einhalten und kann sich ausnahmsweise mal ganz auf sich selbst konzentrieren. Herrlich! Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen das Bedürfnis haben, sich eine Solo-Auszeit zu nehmen und sich eine Me-Time zu gönnen. Laut verschiedener Umfragen und Auswertungen genießen etwa 60 Prozent aller Erholungsurlauber ihre Wellnessreisen am liebsten alleine. Ob beim Yoga-Retreatment oder beim klassischen Sauna-Wochenende: Alleine auf Wellnessreise zu gehen, liegt gerade voll im Trend und ist wunderbar erholsam. Wetten, dass die mittelalterlichen Baderitter uns beneiden würden?

Ausgefallene Wellness-Methoden

Neben heißen Trends gibt’s bei Wellnessreisen natürlich auch jede Menge cooler Methoden, die noch nicht ganz im Mainstream angekommen und damit ziemlich ausgefallen sind. Dazu zählen beispielsweise Wellnessmethoden, die Sauerstoffmasken und Neoprenanzüge beinhalten. Richtig gelesen, es gibt tatsächlich Tiefsee-Simulatoren, die besonders erholsam wirken sollen.

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Von Saunen in Ufo-Optik über verrückte Lichtinstallationen und Baumhausbäder bis hin zu Entspannungsliegen in Wolken-Form gibt es heute nichts, was es nicht gibt. Ob diese Methoden am Ende wirklich entspannend oder einfach abgefahren und ziemlich unterhaltsam sind, darf jeder selbst entscheiden.

Und wer weiß, vielleicht wird in 2.000 Jahren ein Artikel über Wellness-Trends der Vergangenheit verfasst, der genau diese Methoden aufgreift und hinterfragt, warum die verrückte post-industrielle Epoche Ufo-Saunen zum Abschalten brauchte. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sicher ist nur: Deine nächste Wellnessreise sollte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Also, schnapp dir deine Badelatschen und los geht’s!

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