Wie eine Woche Detox meinen Alltag umkrempelte

Kokospalmenwälder, eine traumhafte Küste, freundliche Menschen und asiatisches Essen – ich konnte meinen Urlaub in Thailand kaum erwarten. Das Wellness-Resort, das Freunde mir heiß empfohlen hatten, sollte mir nebenbei zu mehr Fitness und Wohlbefinden verhelfen. Den Körper entgiften, den Geist entschlacken, schlechte Angewohnheiten loswerden, gesünder leben – Detox sollte der Schlüssel zu allem sein und ich war entschlossen, es auszuprobieren. Und zwar auf der Insel Ko Samui, die mir von einem früheren Aufenthalt noch in bester Erinnerung war.

Damals standen Strandleben und Inselerkundungen im Vordergrund. Nun lenkte man mich gleich nach der Ankunft mit einem Ingwertee ab und stellte mich dann rasch auf eine Waage. Unbarmherzig ermittelte sie mein Gewicht. Es lag deutlich, fast dramatisch über meiner Schätzung. Nahezu ohne es selbst zu bemerken – gut, manche Hose saß zuletzt recht eng – hatte ich mir einige zusätzliche Kilogramm drauf geschafft. Den Rest entlockte mir Schwester Nathaporn, eine gütig lächelnde Dame, die mich zu meinem Lebenswandel befragte. Und schon saß ich bei Ernährungsberaterin Leyla, die mit ernstem Gesicht meine Körpermaße und Selbstauskunft studierte.

 

Adieu, Kaffee

Mit ein bis zwei Gläsern Weißwein am Abend war natürlich Schluss. Und es kam noch besser: Kein Kaffee, kein schwarzer Tee, dafür viel Kokoswasser – „reich an Elektrolyten“, sagte Leyla -, Hibiskus- und Ingwertee. Im Restaurant sollte ich wie geplant von der Detox-Karte wählen. „Keine Mangos, die haben zu viel Zucker“, riet Leyla. Dabei war Mango-Saison! Sie schüttelte den Kopf und erklärte mir meine neue Frühstückswelt: „Vermeide alles zu Fruchtige. Besser sind Papaya, Gurke, Avocado und kaltes Gemüse.“ Mittags durfte ich eine Protein-Einheit – hundert Gramm Lachs, Hähnchenfleisch oder Tofu, alternativ waren auch zwei pochierte Eier möglich – zu Suppe und Salat bestellen, weil ich mich auch sportlich betätigen sollte. Dadurch verlangsame sich zwar der Entgiftungsprozess, erklärte Leyla, aber mir ging es ja auch um mehr Fitness. Das Detox-Programm war quasi eine Dreingabe, die alles andere unterstützen und beschleunigen würde.

 

Voller guter Vorsätze schleppte ich mich durch die tropische Hitze zu meinem Zimmer hinauf. Schon die Lage der Resorts an einem Steilhang über der Küste sorgte dafür, dass ich in Bewegung blieb. Ich fragte mich, ob ich am Morgen ohne zwei große Humpen Milchkaffee überhaupt lebensfähig sein würde. Doch schnell zeigte sich: Fast alles fiel mir erstaunlich leicht. Beim Limetten-Aufguss am Morgen auf dem Balkon dachte ich gar nicht an Kaffee. Zufrieden zerschnitt ich eine halbe Limette, übergoss die Stücke mit gekochtem Wasser und trank das Gebräu, während ich auf das Grün der Palmen und das Meer dahinter schaute.

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Zum Frühstück stellte ich mir einen köstlichen Salat aus Sprossen, Gurken- und Papayastreifen, Avocado und allem geschnittenen Grünzeug zusammen, vor dem ein kleines Schild mit der Aufschrift „Detox“ stand. Alles andere, was da so stand und womöglich noch appetitlicher aussah, blendete ich aus. Auch bei den anderen Mahlzeiten musste ich nicht leiden: Gurken-Avocado-Gazpacho, der köstliche Salat aus Grüner Mango (grün war erlaubt) mit Zitronengras, die veganen Frühlingsrollen oder das Kürbis-Curry (ohne Reis) waren so schmackhaft, dass mich nur ganz selten ein Gedanke an Pad Thai streifte, das wunderbare thailändische Nationalgericht auf Basis gebratener Nudeln.

Und ich trank: köstlichen grünen Ingwer-Mandarinen-Saft, Kokoswasser, Ingwertee. Auch zum Abendessen. Wein hätte nicht recht gepasst, und ich verspürte auch gar keine Lust darauf – obwohl er auf der Karte stand und andere Gäste, die kein Detox-Programm absolvierten, auch alkoholische Getränke bestellten.

 

Hunger verspürte ich nie, was mich ein wenig beunruhigte. Sollte ich der erste Gast sein, dem es gelingen würde, hier zuzunehmen? Die Trainer im Fitness-Studio wussten dies zu verhindern. Außerdem ging ich morgens gleich nach meinem ersten Limetten-Aufguss zum Yoga und zog später im Pool meine Bahnen.

Salat aus grüner Mango zum Abschied

Die Tage verflogen, bis ich am siebten Tag neuerlich gewogen und vermessen wurde. Beklommen betrachtete ich Schwester Nathaporns unergründliche Miene. Doch sie hatte frohe Kunde: Zweieinhalb Kilo waren runter, meine Taille war um sagenhafte vier Zentimeter, meine Hüfte um drei Zentimeter geschrumpft! So beflügelt fühlte ich mich, dass ich mir zum Abschluss anders als geplant nicht das lange entbehrte Pad Thai gönnte, sondern noch einmal in Ingwer-Tee und Green-Mango-Salat schwelgte. Leider durfte ich den Küchenchef nicht mitnehmen, sondern musste mich mit einem Kochbuch begnügen, das einige seiner Kreationen enthüllte. Meine Erholung aber war trotz der Kürze des Aufenthalts vollständig. Auf dem Heimflug – rasch hatte ich mir dafür noch von der Insel aus dem vegetarischen Menü bestellt – schlief ich in Reihe 54 tiefenentspannt und erwachte in Deutschland ohne eine Spur von Jetlag.

 

Zu Hause fiel es mir schwer, meine neuen Gewohnheiten wieder abzuschütteln. Zu gut fühlte ich mich nach nur einer Woche Detox plus körperlicher Ertüchtigung, um an Pizza, Pasta oder sommerliche Grillabende auch nur zu denken. Natürlich kam schließlich doch der Tag, an dem ich wieder Fleisch, Weizen- und Milchprodukte zu mir nahm. Und auch der Abschied von Kaffee und Wein war keiner für immer, sondern blieb ein figurfreundliches Intermezzo.

Auch Teilzeit-Veganer leben gesünder

Anderes aber überdauerte die Rückkehr. Der Limettenaufguss am Morgen hat zwar nicht dauerhaft meine übliche Dosis Milchkaffee ersetzt, aber noch immer schlürfe ich im Lauf des Vormittags mindestens ein großes Glas heißes Limettenwasser. Bei Hitze ist es angenehm, an einem kalten Wintertag tröstlich. Ich bilde mir sogar ein, dass das Gebräu Kopfschmerzen vertreibt. Auch Ingwertee, eigentlich kein Tee, sondern ebenfalls ein Aufguss aus geschnittenem frischem Ingwer, ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

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So hat mein Flüssigkeitshaushalt langfristig von dem Detox-Experiment profitiert – ebenso wie meine Essgewohnheiten. Denn auch ein Jahr nach Ko Samui esse ich zum Frühstück noch immer gerne Salat. Ich schnipsele alles Grüne, das ich finden kann – deutlich mehr als früher, weil nun immer Limetten, Ingwer, Salat, Tomaten und Frühlingszwiebeln im Haus sind – , dekoriere es mit einer liebevoll geschnittenen Avocado und einem weichgekochten Ei. Dieser grüne Frühstückssalat erspart dann auch gleich das Mittagessen.

So bin ich zwar noch immer nicht Vegetarier und schon gar nicht Veganer geworden. Doch mit den immerhin verbesserten Ernährungsgewohnheiten fühle ich mich wohl und war seit meiner kleinen Detox-Kur nicht einen Tag krank. Auch das thailändische Bewegungspensum ließ sich nicht hundertprozentig auf den Alltag übertragen, aber wenigstens ansatzweise. Ich achte darauf, wenigstens jeden Tag ausreichend zu laufen oder zu radeln. Dabei hilft ein Schrittzähler – und bei der Motivation zu etwas mehr Bewegung die Erinnerungen an Ko Samui.

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